Leithaberg (AT)

Etwa 50 Kilometer südlich von Wien, am Westufer des Neusiedler Sees, liegt der Leithaberg. Eingeklemmt zwischen den bewaldeten Hängen des Leithagebirges und dem spiegelglatten See, hat diese Gegend einen ganz eigenen Rhythmus – und einen Wein, der das unmittelbar widerspiegelt. Wer hier zum ersten Mal ein Glas Weißburgunder oder Blaufränkisch verkostet und dabei nicht sofort an Mineralität und lebendige Frische denkt, hat entweder die falsche Flasche erwischt oder trinkt aus dem falschen Glas. Aber dazu gleich mehr.

Terroir – Kalk, Schiefer und ein ständiger Luftzug

Der eigentliche Star in Leithaberg ist unsichtbar, liegt unter der Erde und war schon da, bevor irgendjemand die erste Rebe pflanzte: der Boden. Und der ist hier alles andere als einheitlich:
Auf den Hängen des Leithagebirges wechseln sich zwei geologische Charaktere ab, die dem Wein seine unverwechselbare Handschrift verleihen. Da ist zunächst der Glimmerschiefer – ein hartes, kristallines Gestein, das die Wurzeln der Reben zwingt, tief zu graben und ihre Energie auf wenige, konzentrierte Trauben zu fokussieren. Das Ergebnis: Weine mit Spannung, Dichte und einem fast nervösen Zug. Dann ist da der Leithakalk – ein Kalkstein, der sich aus Millionen Jahre alten Meeresmuschelfossilien zusammensetzt. Er ist es, der dem Wein diese charakteristische mineralische Note gibt, jene salzige, fast kalkige Frische, die man beim ersten Schluck verblüfft registriert und beim zweiten schon vermisst, wenn sie fehlt. Charakteristisch für die Landschaft sind außerdem die zum See hin abfallenden Weingärten, zwischen denen Mandel-, Kirsch- und Pfirsichbäume stehen – ein Bild, das den südlich-heiteren Charakter der Region unterstreicht, auch wenn die Weine eher auf Spannung als auf Wärme setzen.

Der Leithaberg profitiert von einem Klima, das man sich kaum besser ausdenken könnte. Auf der einen Seite der Neusiedler See – Österreichs größter See und einer der flachsten Europas –, der im Herbst wärmendes Wasser abstrahlt und die Reben bis in den Oktober hinein mit Ruhe versorgt. Auf der anderen Seite das bewaldete Leithagebirge, das kühle Nachtluft herabschickt und dafür sorgt, dass selbst an den heißesten Sommertagen die Trauben ihre Frische und Säure behalten. Das Ergebnis ist ein pannonisches Klima mit spürbarer Moderation: heiße, trockene Sommer sorgen für reife Frucht, kühle Nächte erhalten die Lebendigkeit. Weine aus Leithaberg haben deshalb diese seltene Eigenschaft, gleichzeitig kraftvoll und frisch zu sein – kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch, das die besten Flaschen der Region so spannend macht.

Die Weine – reduziert und charakterstark

Der Leithaberg DAC Weiß darf aus Weißburgunder (Pinot Blanc), Chardonnay, Neuburger oder Grünem Veltliner gekeltert werden – sortenrein oder als Cuvée.  Ein weißer Leithaberg DAC aus Weißburgunder oder Chardonnay ist kein buttrig-opulenter Wein aus dem Lehrbuch. Er ist streng, mineralisch, mit einer leicht cremigen Textur, die aber immer von einer frischen Säure in Schach gehalten wird. Zitrusschale, etwas Apfel, ein Hauch von Kalk – das sind die Koordinaten. Mit ein paar Jahren Lagerung entwickeln diese Weine eine Komplexität, die erstaunt. Der Leithaberg DAC Rot ist hingegen klar: Blaufränkisch, mit einem erlaubten Anteil von bis zu 15 Prozent Pinot Noir, Zweigelt oder St. Laurent. Dunkle Beeren, etwas Kirschen, Würze, feine Tannine – und immer diese mineralische Strenge, die ihn von schwereren Blaufränkisch-Interpretationen aus dem Mittelburgenland unterscheidet. Im Holzfass darf er reifen, aber die Regel ist klar: Dezent soll die Holznote sein, unterstützend, nicht dominierend. Beide Farben teilen den Alkohol-Korridor von 12,5 bis 13,5 Volumenprozent – ein Hinweis auf den Stil, den man erwartet: Substanz ohne Übermacht, Gewicht ohne Schwere.

Kein Hype, kein Rummel, kein Hipster-Etikett – nur Kalk, Schiefer und verdammt guter Wein. 

Hier geht es zu den Winzern aus dem Leithaberg:

Lichtenberger González